Wissensmanagement, 7/2008 (Titel: Wissen ist Macht? Persönliches Wissensmanagement auf dem Prüfstand)

wissensmanagement, Heft 7 Oktober 2008

TITELTHEMA: WISSEN IST MACHT? PERSÖNLICHES WISSENSMANAGEMENT AUF DEM PRÜFSTAND
Wissensmanagement fängt bei jedem Mitarbeiter selbst an. Denn nur, was im „Kleinen“ funktioniert, kann auch organisationsweit gelingen. Doch wie geht man mit seiner persönlichen Informationsflut um? Wie unterscheidet man Wichtiges von Unwichtigem? Und welche Möglichkeiten gibt es, individuelles Wissensmanagement im Unternehmen zu leben? Entscheidend ist hier nicht zuletzt das Betriebsklima und der mehr oder weniger offene Umgang mit Wissen, der in der Organisation gepflegt wird. Behält jeder Mitarbeiter wichtige Informationen für sich, um sie im richtigen Moment zu seinem eigenen Vor- teil zu nutzen, ist es um die Chancen erfolgreichen Wissensmanagements schlecht bestellt. Gefragt ist vielmehr ein Klima des Gebens und Nehmens, das jeden Einzelnen beflügelt, sein eigenes Wissen und das des Unternehmens bestmöglich einzusetzen.

Editorial
Wissen teilen – Wissen vermehren News

PRAXIS WISSENSMANAGEMENT

Interkulturelles Know-how
Erfahrungen sammeln – implizites Wissen aktivieren
von Julia Hormuth
Spätestens seit Verbreitung der Thesen zur Wissensschaffung von Nonaka und Takeuchi in den 90er Jahren haben Unternehmen die enorme Bedeutung impliziten Wissens erkannt. Sie bemühen sich zunehmend, den Austausch von Erfahrungswissen unter Mitarbeitern zu fördern. Ziel ist es, dieses in der Organisation zu bewahren und strategisch zu nutzen. Allerdings gibt es bisher kaum Konzepte für die praktische Umsetzung eines Erfahrungsmanagements im Unternehmen. Welche Kontexte sind für die Erfahrungsweitergabe Erfolg versprechend? Und wie kann dabei implizites Wissen in explizites umgewandelt werden?

Semantische Netze
Finden 2.0 – oder: Von der Kunst der effektiven Datensuche
von Thomas Kamps, Julia Mayer
Nie gab es mehr Informationen frei verfügbar und nie waren diese Informationen einfacher abrufbar als heute – theoretisch zumindest. Internet, Datenbanken, Online- und Offline-Archive bieten eine unüberschaubare Menge an Wissen. Und was im weltweiten Netz gilt, gilt auch für Unternehmen, Universitäten, staatliche Institutionen und Ministerien. Sie alle verwalten riesige Datenmengen über Kunden, Projekte, Produkte, Abläufe und Konkurrenten. Doch wie den Überblick behalten über diese Informationsflut? Wie die richtige Information herausfischen aus dem schier unüberblickbaren Datenmeer? Gerade in wissensbasierten Organisationen wird die effiziente Bereitstellung von Informationen zum kritischen Erfolgsfaktor. Dabei genügt es nicht, Datenbanken und Dokumenten-Server über eine gemeinsame Oberfläche zugänglich zu machen. Vielmehr ist eine intelligente Verknüpfung aller Quellen erforderlich, welche die Mitarbeiter intuitiv nutzen können. Die von Fraunhofer-Forschern entwickelte Technologie Conweaver bietet genau das.

Luft- und Raumfahrt
Flugsicherung: Gebündeltes Expertenwissen aus erster Hand
von Roland Bouchard
Über 30.000 Flüge täglich in Europa stellen extreme Anforderungen an das Management des internationalen Luftverkehrs. Für die Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt, Eurocontrol, die die Flugbewegungen koordiniert, steht Sicherheit dabei an oberster Stelle. Seit Mai betreibt sie dazu eine Wissensmanagement-Plattform für sicherheitsrelevante Informationen, die in einem ambitionierten Projekt bis zum Jahr 2010 mit dem weltweit verfügbaren Luftfahrt-Sicherheitswissen gefüllt werden soll.

Communities
Erfolgreiche Online-Portale – eine Frage der Kommunikation
von Gerald Lembke, Kerstin Laggies
Online-Portalen kommt seit einigen Jahren eine wachsende Bedeutung zu. Während sie dem einen jedoch bereits seit Längerem als tote Datenspeicher in Intranets zur Verfügung stehen, begnügen sich andere mit Open-Source-Produkten. Bekannte soziale Netzwerke werden online zudem für geschäftliche Kontakte [1] oder zur Kommunikation mit Kommilitonen [2] bzw. Schulfreunden [3] genutzt. Dabei haben alle Portale eines gemeinsam: Auf den ersten Blick lassen sie den unmittelbaren Nutzen für die User vermissen. Dabei geht es in erster Linie nicht darum, ob Portale ei- nen unmittelbaren Mehrwert stiften. Entscheidend ist vielmehr, welche Informationsbedürfnisse und Erwartungen die Zielgruppe hat. Genau dieser Frage ging eine Baden-Württembergische Hochschule nach – mit dem Ziel, ein neues Portal zu konzipieren, welches sich im Inhalt, im Aufbau und in seiner Struktur maßgeblich an den künftigen Nutzern ausrichten sollte. Kein einfaches Unterfangen für IT-Experten und Projektleitung.

TITELTHEMA: WISSEN IST MACHT?

„Ach, wie gut, dass niemand weiß …!“
von Christine Kranz
Im Zeitalter der Wissens- und Informationsgesellschaft gewinnt der berühmte Satz von Rumpelstilzchen mehr und mehr an Bedeutung. Organisationen und ihre Mitarbeitenden definieren sich über ihr Wissen, welches anhand von Zahlen, Daten und Fakten gemessen wird. Daher entwickeln immer mehr Organisationen Strategien, um das vorhandene Know-how zu verwalten und einen optimalen Informationstransfer zu gewährleisten. Allerdings bringen Mitarbeitende ihren Wissensvorsprung noch immer mit Macht in Verbindung. Eine Weitergabe dieser Ressource kommt für sie daher häufig einem möglichen Machtverlust gleich. Folglich kann die Optimierung der Wissensvermittlung nur gelingen, wenn die Verantwortlichen auch die zwischenmenschlichen Belange der Know-how-Träger berücksichtigen.

Geteiltes Wissen ist Macht: die Gewinner des Wissensaustauschs
von Thomas Strobel
Wissen entsteht heute in immer kürzeren Zeitabständen; gleichzeitig verliert das Wissen des Einzelnen zunehmend schneller an Wert. Die Macht durch einen individuellen Wissensvorsprung nimmt damit stetig ab. Denn erst die Kombination eigenen Wissens mit dem Wissen anderer schafft effizient neues Wissen. An dieser Stelle entwickeln sich folglich Wissensnetzwerke zu einem wichtigen Erfolgsfaktor – mit dem Ziel, den entscheidenden Wissensvorsprung künftig durch einen permanenten Wissensaustausch erreichen zu können. Das heißt: Wer bereit ist, sein Wissen einzubringen, hat beste Chancen, selbst am Wissen anderer zu partizipieren. Diesen Transfer muss jedoch jeder selbst pflegen. Wer anderen sein Wissen nämlich vorenthält, um damit die eigene Macht zu festigen, wird in Netzwerken schnell isoliert und büßt damit wertvolle Chancen ein. Um das zu verhindern, leben erfolgreiche Unternehmen einen aktiven Wissensaustausch vor – zu ihrem eigenen Nutzen.

Das persönliche Wissensarbeitsmanagement
von Peter Schütt
Ein sehr wichtiger, aber gleichsam extrem vernachlässigter Teil eines Wissensmanagement-Programms ist das befähigen der Mitarbeiter zum selbstständigen Managen ihrer eigenen Wissensarbeit. Weder die Personalabteilungen noch die mancherorts vorhandenen Chief Knowledge Officers kümmern sich darum, obgleich hier enorm viel Produktivitätspotenzial verborgen ist. Warum eigentlich und was wäre zu tun?

E-Portfolios – Schatzkisten für persönliches Know-how
von Mark Buzinkay
Das eigene Wissen zu speichern und für andere verfügbar zu machen, ist keine Neuerung unserer Zeit. Die Aufzeichnung von Erkenntnissen in Theorie und Praxis erfolgt schon seit je her – seit sich die Menschheit mit Schrift auseinandersetzt. In einer digitalen Umgebung kann Wissen jedoch um ein Vielfaches schneller und effizienter weiterverarbeitet werden. Doch scheitert es oft am Willen der Beteiligten und an der Technik, die das unkompliziert und doch funktional ermöglicht. Dieser Widerspruch zwischen dem Potenzial einer Zeit und den tatsächlich ausgeschöpften Möglichkeiten wurde in den 90ern beim Thema Wissensmanagement sichtbar: In der Organisation pries man die Vorteile an, doch der Einzelne spürte eine wachsende Angst vor Machtverlust durch Know-how-Abgabe, eine hohe Zusatzbelastung durch Dokumentationsarbeit und schließlich kaum Benefit für die persönliche Wissenssammlung.

DOKUMENTATION + KOMMUNIKATION

Studie
Aufklärung tut not
von Reinhard Höhn, Dejan Kostic
Inwieweit haben sich die gängigen Wissensmanagement-Maßnahmen in deutschsprachigen Unternehmen bereits durchgesetzt? Dieser Frage ging die Knowledge Management Associates (KMA) in einer aktuellen Online-Befragung nach. Im Ergebnis erscheint es, als ob viele Organisationen die mahnenden Worte Peter Druckers bezüglich des globalen Wandels der Gesellschaft zur Wissensgesellschaft sowie des notwendigen Wandels der Unternehmen zu wissensorientierten Unternehmen offenbar lieber zitieren als sie gezielt umzusetzen.

Dokumentenmanagement
Komplexe Unterlagen erstellen, verwalten und verteilen
von Ricarda Lammich, Uwe Bauch
Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens werden zunehmend durch die Geschwindigkeit und die Genauigkeit der optimalen Wissensaufbereitung, des Wissenstransfers und der Wissensaufnahme bestimmt. Wissensmanagement-Systeme und Methoden zum Erfassen des expliziten und impliziten Wissens unterstützen Organisationen dabei, mit der täglichen Informationsflut umzugehen. Um sich daraus einen tatsächlichen Wettbewerbsvorteil zu schaffen, muss Wissensmanagement jedoch als ganzheitliches, integriertes Konzept zur Erschließung, zur Speicherung und zum Austausch von Wissen innerhalb und außerhalb des Unternehmens verstanden werden. Dabei steckt Wissen nicht nur in den Köpfen der Mitarbeiter und in Projekten oder Arbeitsabläufen, sondern auch in zahlreichen Unterlagen wie Handbüchern, Dokumentationen, Konzeptionen oder Schulungsmaterialien. Oft werden diese Daten von mehreren Autoren erstellt, was dazu führt, dass zahlreiche mehr oder weniger aktuelle Versionen mit unterschiedlicher Formatierung unstrukturiert auf einem File-Server oder auf verschiedenen Rechnern liegen.

Workflow
Von der Laufmappe zum papierlosen Büro
von Timo Bast
Kontinuierliche Wachstumsraten führten bei Bomatec dazu, dass die Zahl der Dokumente im Unternehmen in den vergangenen Jahren stetig zunahm. Um den Kunden trotz steigender Datenmengen weiterhin optimalen Service bieten zu können, ersetzte der Schweizer Zulieferer seine Papierablage durch ein Dokumentenmanagement-System (DMS).

HUMAN RESOURCES

Zusammenarbeit
Teamgeist statt Plauderrunde
von Michael Sudahl
„Wir sind wie eine Wildgänseschar in der Flugformation“, so beschreibt die 48-jährige Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller die sechsköpfige Geschäftsleitung des Ditzinger Laser-Spezialisten. Ein anschauliches Bild für ein Team. Einer fliegt vorne weg, die anderen in Form einer Speerspitze hinterher. Das Ziel im Visier. Jeder kennt seine Position und alle wissen, dass sie es nur gemeinsam erreichen. Doch wie produktiv sind Teams wirklich?

Kommunikation
Einheitliche Unternehmenssprache: Alles aus einem Guss
von Michael Letter
Wenn das gesamte Unternehmen – von der Geschäftsführung bis zum Aushilfsarbeiter im Lager – dieselbe kundenorientierte Unternehmenssprache spricht, wird es von außen als Einheit wahrgenommen, deren Mitglieder ein gemeinsames Ziel verfolgen: den Nutzen und die Zufriedenheit, ja die Begeisterung ihrer Kunden. Die Bedeutung einer einheitlichen Unternehmenssprache zeigt sich besonders deutlich bei Unternehmensfusionen. Häufig ähneln sich die Geschäftsmodelle der beiden Organisationen zwar, dennoch treffen dabei in den meisten Fällen vollkommen konträre Philosophien und Kulturen aufeinander. Auch die Unternehmenssprachen sind dementsprechend unterschiedlich. Als negatives Musterbeispiel für diesen Zusammenhang gilt die letztendlich gescheiterte Fusion zwischen Daimler und der US-Tochter Chrysler. Doch wie gelingt es, dass auf allen Ebenen ein und derselbe „Sprachgeist“ herrscht?

Enterprise 2.0
Von starren Hierarchien zu flexiblen Unternehmensnetzwerken
von Willms Buhse, Henrik Schürmann
Immer mehr Unternehmen realisieren ihr Wissensmanagement mit Hilfe von Web-2.0-Technologien wie Wiki, Blog und Micro-Blogging. Offene Strukturen erleichtern den Zugang zu gemeinsam verwendetem Wissen, dadurch wird die kollektive Intelligenz optimal genutzt. Doch nur wenn sich auch die Kultur des Unternehmens durch ein Loslassen von starren zu flexiblen Hierarchien und von Kontrolle zu Selbstverantwortung weiterentwickelt, kann ein erfolgreiches Enterprise 2.0 entstehen.

TRENDS

Special: „IT-Sicherheit“
Datensicherheit im Unternehmen – von der Pflicht zur Kür
von Dirk Thieslack
Wo geht’s lang? Eine gute Frage. Eine alte Frage. Carl von Clausewitz, preußischer General, beantwortete sie mit der Kunst der Kriegsführung. Moderne Unternehmenslenker entdecken sie in anderer Form wieder: in der strategischen Ausrichtung. So zum Beispiel in der IT-Welt und hier besonders im Bereich der Datensicherheit. Denn Informationen sind wertvolle Schätze und moderne Reichtümer der Unternehmen. Diese gilt es zu schützen, vor allem vor internen Angriffen durch Datendiebstahl.

Wer die Risiken kennt, kann Wissen schützen
von Peter König
Menschliche Stärken und Schwächen erscheinen auf den ersten Blick als schwer beeinflussbare Motivatoren und Ursachen für zahlreiche betriebliche Unzulänglichkeiten, gerade auch in den Bereichen Management und IT. Hinzu gesellen sich ständige Veränderungen innerhalb der Organisationen sowie technische Weiterentwicklungen, die sich direkt oder indirekt auch auf die IT-Sicherheit auswirken. Doch gerade der Umgang mit sensiblen Daten ist und bleibt eine unabdingbare Voraussetzung für erfolgreiches Wissensmanagement. Daher sind Unternehmen gefordert, die menschlichen Schwächen weitestgehend zu reduzieren und technische Hilfen intelligent zu nutzen – ohne dabei den notwendigen Persönlichkeitsschutz zu verletzen.

Tückische Sicherheitsstandards und SSL-Verschlüsselungen
von Michael Peters
Ob Anwaltskanzlei oder Industriebetrieb – in jedem Unternehmen gibt es sensible Daten, die vor Missbrauch oder unerlaubtem Zugriff geschützt werden müssen. Doch während Anti-Malware- und Antivirus-Module heute vielerorts zur Standardausrüstung gehören, ignorieren viele Firmen noch immer die Gefahren, die von https-verschlüsselten Webseiten ausgehen. Auch die Tücken von Instant-Messaging- und Unified-Communications-Lösungen finden in der Praxis nach wie vor zu wenig Beachtung.

Nachholbedarf in puncto Datenqualität
von Yvonne Giebels
Um die Datenqualität im Unternehmen zu verbessern, spielt die Informationstechnologie eine wichtige Rolle. Eine wirkliche Data Governance erfordert jedoch weit mehr als gute Software-Programme. „Wichtig ist es, dass unternehmensweit Strukturen und Abläufe geschaffen werden, die einen einheitlichen und sorgfältigen Umgang mit den Daten festlegen“, so Prof. Dr. Robert Winter vom Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen, wo Informationslogistik und Datenqualitätsmanagement seit vielen Jahren Teil des Forschungsprogramms sind. Denn was nützt es, wenn bereits bei der Eingabe neuer Kundenkontakte wichtige Details fehlen oder verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Daten hantieren? „Nur auf der Basis von validen und qualitätsgesicherten Informationen lassen sich die richtigen betriebswirtschaftlichen Entscheidungen treffen“, ist der Wissenschaftler überzeugt.

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