wissensmanagement, 4/2008

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wissensmanagement, Heft 4 Juni 2008

Titelthema
Return of Information: Wissensbilanzierung und Wissenscontrolling im Unternehmen
Betriebswirtschaftliche Kennzahlen, wie Umsatz, Gewinn und Deckungsbeitrag sind schon lange fester Bestandteil des betrieblichen Controllings. Die ermittelten Daten helfen den Verantwortlichen, Prognosen zu treffen, und bilden damit die Grundlage für ihre unternehmerischen Entscheidungen. Doch der Wandel hin zur Wissensgesellschaft macht auch im Controlling neue Wege erforderlich. Hier gilt es, das vorhandene Human-kapital zu evaluieren und die Organisation anhand seiner immateriellen Werte zu beurteilen. Im Zusammenhang mit den unternehmerischen Zielen und Geschäftsprozessen gibt das intellektuelle Kapital Aufschluss über die strategische Bedeutung der Ressource Wissen. Eine Wissensbilanz macht Veränderungen im Wissensbestand deutlich und kann so auch als Frühwarnsystem dienen.

Editorial
Wissen auf dem Weg zur Bilanzkennzahl?

NEWS

PRAXIS WISSENSMANAGEMENT

Social Software
Die Vor- und Nachteile von Wikis in Unternehmen
von Peter Schütt
Wikis sind zurzeit ein riesiger Hype. Zahlreiche mittelständische Unternehmen ersetzen ihr Intranet durch ein Wiki, Großunternehmen haben tausende davon und manchen scheinen sie die lange ersehnte, eierlegende Wollmilchsau der Datenverarbeitung zu sein. Doch die große Freiheit hat auch ihre Tücken: Werden strukturiertere Prozesse stattdessen vernachlässigt, kann es nach einiger Zeit zu ungeahnten Kosten führen, wenn man Wiki-Inhalte mühevoll aufräumen muss. Was sind die Vor- und Nachteile der Wikis in der Unternehmenspraxis?

Prozessoptimierung
Verlage auf dem Weg zu Enterprises 2.0
von Anton Simons
Die heile Welt der Print-Verlage wird vom Mitmach-Internet der neuen Generation derzeit tüchtig durcheinander gebracht. Vom Lexikon- bis hin zum regionalen Zeitungsverlag – die Medienrevolution, die das Web 2.0 heraufbeschwört, zieht an niemandem spurlos vorüber. Das Revolutionäre an dieser Revolution ist, dass die Verleger erstmals nicht mit anderen Verlegern konkurrieren, also mit großen und leicht erkennbaren Gegnern. Vielmehr sind es die amorphen Heerscharen der Leser selbst, die begonnen haben, die massenmedialen Bedürfnisse breiter Rezipienten-Schichten zu bedienen.

Dienstleistung
Unternehmensinterne Call Center: Personalarbeit aus erster Hand
von Thorsten Bonne, Matthias Fank, Frank Linde
Die Organisation der Arbeit in administrativen Bereichen sowohl im Finanz- als auch im Personalsektor bewegt sich immer weiter weg von der ursprünglichen Sachbearbeitertätigkeit. Waren früher die Mitarbeiter mit umfassenden Aufgaben ihres Ressorts betraut, so ist die Arbeitsweise heute durch Spezialisierung der Tätigkeit geprägt. Durch Taylorisierung der Arbeit, Definition von effizienten Prozessen und Prozessunterstützung durch Workflow-Systeme werden regelrechte HR- bzw. Accounting-Fabriken ausgebildet. Zur Erhöhung der erheblichen Skaleneffekte und Nutzung von Synergien entstehen konzernweite nationale Shared Service Center (SSC). Aktuelle Trends des so genannten „2nd Generation SSC“ gehen in Richtung Regionalisierung spezifischer Aufgaben – also der Zusammenfassung von Service Centern ganzer Wirtschaftsregionen.

Gesundheitssektor
Wissensmanagement im hektischen Klinikalltag?
von Roswitha Happach
In der Vergangenheit wurde der Begriff des Wissensmanagements vorrangig in Zusammenhang mit global tätigen Wirtschaftsunternehmen oder wissensintensiven Bereichen genannt. Der systematische Umgang mit der Ressource Wissen ist jedoch nicht an bestimmte Branchen gebunden. Rasche Fortschritte in der Medizin, neue Entwicklungen im Bereich der Medizintechnik, aktuelle Erkenntnisse in pflegerischen Fachfragen sowie zunehmende administrative Aufgabenbereiche erfordern auch im Gesundheitswesen einen bewussten Umgang mit Informationen und Wissen. Die Bereitschaft und die Fähigkeit zum individuellen Lernen der Beschäftigten ist dabei ebenso von Bedeutung wie die Gestaltung der Institution Krankenhaus als lernende Organisation.

TITELTHEMA: RETURN OF INFORMATION

Was ist mein Wissen wert?
von Gabriele Vollmar
Die klassische Bilanzierung, d.h. die Wertdarstellung von Unternehmen, greift eklatant dort zu kurz, wo der Wert von Unternehmen weniger in Gebäuden und Maschinen als im Know-how der Organisation und ihrer Mitglieder liegt. Genau dies ist nun aber in unserer Informations- und Wissensökonomie zunehmend der Fall – und zwar nicht nur für milliardenschwer gehandelte Unternehmen wie Google und Yahoo, sondern zum Beispiel auch für den innovativen Maschinenbauer. Aber gerade dieser Aspekt bleibt in unseren Bilanzen unsichtbar. Der immaterielle Wert eines Unternehmens kann – auf herkömmlichem Wege – nicht dargestellt werden. Nicht nach dem in Deutschland geltenden HGB (Handelsgesetzbuch) und ebenfalls kaum nach den neueren internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS, IFRS). Abhilfe verspricht – zumindest dem Namen nach – das Instrument der Wissensbilanz. Wird dieses Versprechen eingelöst?

Wissensbilanzierung – Quo Vadis?
von Günter Koch
In wenigen Tagen erscheint in Deutschland die nächste, vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) herausgegebene Version des Leitfadens zur Wissensbilanzierung für KMUs. Zusammen mit der downloadbaren dazugehörigen Software gilt dieses Wissensbilanz-Projekt nach Bekunden des zuständigen BMWi-Projekträgers als das seit Jahrzehnten erfolgreichste Programm für die Zielgruppe der KMUs. Das große Momentum an Interesse einerseits und der Bedarf an einem Methoden-Update andererseits gibt Anlass zur Frage, wohin der Flottenverbund der Wissensbilanzierer sich insgesamt hin bewegen wird bzw. soll.

Wissensbilanz – Made in Europe
von Peter Heisig
Die Bedeutung von Wissen und intellektuellem Kapital für die Ökonomien und Gesellschaften in Europa wurde spätestens mit der Erklärung von Lissabon im März 2000 besonders akzentuiert. Die Regierungschefs der Europäischen Union setzten sich damals das strategische Ziel, „die Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen.“ Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es zunächst einer Bestandsaufnahme des vorhandenen Wissens. Seither arbeiten die einzelnen europäischen Staaten mit Hochdruck an einer transparenten, wirkungsvollen Form der Wissensbilanzierung bzw. des Intellectual Capital Reportings (ICR).

Wissensvorsprung für den Online-Erfolg
von Christian Bennefeld
Ob Marktentwicklung oder Konsumentenverhalten, die Kommunikations- und Vertriebsplattform Internet birgt enormes Potenzial, wenn es um den Gewinn neuer, geschäftsrelevanter Informationen geht. Für das Internet als Wissensquelle gilt jedoch auch: Die Flut an Daten ist nicht gleichbedeutend mit einem Mehr an Wissen. Auch hier entsteht Wissen erst, wenn die Informationen in einen übergeordneten Kontext eingebunden werden. Genau das geschieht mit dem Einsatz von Web-Controlling-Instrumenten. Analysen der Online-Kennzahlen können dem Internet-Geschäft markant auf die Sprünge helfen: Den Ergebnissen einer aktuellen Studie der Aberdeen Group zufolge verzeichnen Unternehmen, die auf Web-Controlling setzen, über 75 Prozent Zuwachs bei den Erstklickern ihrer Website und eine um 78 Prozent längere Verweildauer.

DOKUMENTATION * KOMMUNIKATION

Wertschöpfung
Kreative Geister: Innovationsplattformen im Web
von Anna Maria Köck, Klaus Tochtermann, Reinhard Willfort
Die steigende Innovationsdynamik rückt das Wissen des Einzelnen immer mehr in den Mittelpunkt der Leistungserstellung. Er macht die Fähigkeiten des Menschen zur Hervorbringung neuen Wissens zu einem bedeutenden Faktor für den Fortbestand sowie die Erhaltung und den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Denn Wissen entsteht durch die Veränderung kognitiver Strukturen. Auch Ökonomen betonten in den vergangenen Jahren immer wieder die Bedeutung der Expertise im Zusammenhang mit dem Wettbewerbsvorteil. Sie wiesen dabei insbesondere auf den Einfluss von Fachwissen und -kompetenz auf die Wertschöpfung hin. Einige Publikationen führen Wissen sogar als vierten Produktionsfaktor neben Arbeit, Rohstoffen und Produktionsmitteln an. Diesen Stellenwert räumte auch Peter Drucker dem Faktor Wissen ein: „Der Wertzuwachs entsteht heute aus der ‚Produktivität’ und der ‚Innovation’. Beide bedeuten die Anwendung von Wissen auf die Arbeit.“

Tools
Wissensmanagement in der Werkshalle – geht das?
von Gila Brandt-Herrmann, Uwe Wilkesmann
IT-gestütztes Wissensmanagement hat sich in den vergangenen Jahren besonders in weltweit operierenden Großunternehmen durchgesetzt. Wo immer Mitarbeiter nicht zur selben Zeit am selben Ort sein können, aber ständig Erfahrungen und Informationen untereinander austauschen müssen, haben sich IT-gestützte Wissensmanagement-Systeme bewährt. Dabei wurden die Anwendungen vorrangig im Angestelltenbereich eingesetzt. In der Produktion haben sich IT-gestützte Wissensmanagement-Lösungen bisher kaum etabliert. Doch gerade in der Werkshalle existiert ein großer Schatz an implizitem Wissen, das mit Hilfe spezieller Moderation expliziert werden kann.

Suchstrategien
Information-Monitoring: Durchblick im Datendschungel
von Christian Dömich
Wenn Vereine und Verbände in die Jahre kommen, dann stellt sich für deren Mitglieder nicht selten die Frage nach einer Fortsetzung der Mitgliedschaft: Lohnt sich das noch? Werden nach wie vor Anreize und Signale gesetzt? Überwiegen die Vorteile einer Mitgliedschaft gegenüber den Nachteilen? Vereine und Verbände der Geschäftswelt gründen sich meist aus einem konkreten Anlass heraus. Sie haben Ziele nach außen (z.B. wirtschaftspolitische) sowie nach innen (z.B. Networking). Dazu gehört auch, dass sie ihren Mitgliedern einen Wissensvorsprung bieten möchten: Sie sollen schneller bzw. besser informiert sein als Nicht-Mitglieder. Diesen Vorteil gilt es in der medialen Welt, in der viele und hochwertige Informationen frei zugänglich sind, neu zu gewinnen und zu verteidigen. Der Verein Netzwerk Logistik (VNL) überwacht dazu bestimmte frei verfügbare Informationen aus dem Internet systematisch, bereitet sie auf und bietet sie seinen Mitgliedern als Entscheidungsgrundlage an.

HUMAN RESOURCES

Wissenssicherung
300 Prozent Personalfluktuation: Chance oder Risiko?
von René Baron, Vera Stark
Die studentische Unternehmensberatung OSCAR GmbH entstand aus der Motivation heraus, wirtschaftlich orientierten Studenten eine praxisintensive Ausbildung zu ermöglichen. Das Besondere daran: Es gibt keine Festanstellungen, sondern die Mitarbeiter, allesamt Studenten und junge Hochschulabsolventen, machen Praktika von unterschiedlicher Dauer. Das führt zu einer Personalfluktuation von etwa 300 Prozent im Jahr. Damit dabei kein wertvolles Wissen verloren geht, haben sich die Studenten einiges einfallen lassen.

Führungsinstrumente
Die Gratwanderung zwischen Vertrauen und Kontrolle
von Doris Stempfle
Alltag im Büro eines mittelständischen Softwareunternehmens: Abteilungsleiter Walter Kempa ist unzufrieden mit Monika Fürst. Die junge Kundenberaterin hält oft ihre Termine nicht ein, erfüllt vereinbarte Ziele nicht, verärgert Kunden. All dies zeigen die Kontrollbögen, die Herr Kempa für jeden Mitarbeiter angelegt hat – der Abteilungsleiter will wissen, welche Fehler seine Mitarbeiter machen. Deshalb kontrolliert er sie und hat angeordnet, vor Entscheidungen seine Einwilligung einzuholen. Damit verunsichert er seine Belegschaft und nimmt ihr die Eigenständigkeit. Denn nur das richtige Maß zwischen Vertrauen und Kontrolle kann das Arbeitsklima aufwerten – und die Wissensvermittlung im Sinne des Erfahrungslernens vorantreiben.

Wissen visualisierenWissen visualisieren
Business Mapping – Arbeiten frei von linearen Strukturen
von Uwe Richter
Laut Nucleus Research verbringt heute jeder vierte Arbeitnehmer mehr als fünf Stunden pro Woche mit der Suche nach dringend benötigten Informationen. Dafür verantwortlich ist ironischerweise nicht die Knappheit, sondern die Überversorgung mit Informationen. Immer weniger Mitarbeiter müssen immer mehr leisten – schließlich haben sie ja modernste Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten an der Hand. Nur leider haben sie keinen Leitfaden, wie sie mit der Informationsflut produktiv umgehen sollen! Eine Strategie zur Informationsverarbeitung ist dringend notwendig, verzehnfacht sich doch laut einer Studie von IDC die weltweite Datenmenge bis 2011 auf 1,8 Billionen Gigabyte.

TRENDS

Interview
Grüne IT – mehr als nur ein Trend
von Mike Herr
Die Sorge um den Klimawandel ist in den Unternehmen angekommen und sorgt dafür, dass sich die Verantwortlichen mehr Gedanken über einen sorgfältigen Einsatz von Energie und Rohstoffen machen. Sie versuchen zunehmend, noch nachhaltiger und umweltfreundlicher zu wirtschaften. Die Automobilindustrie rund um Toyota und seine neuen Hybridmodelle hat es vorgemacht. Nun sind Produktionsunternehmen und die IT-Branche an der Reihe. Der Begriff „Green IT“ ist dabei zu einem der wichtigsten Industrietrends geworden. Konsumenten fragen zunehmend sparsame Informationstechnologien nach, vor allem, weil sie mit steigenden Stromkosten zu kämpfen haben. Doch es gibt noch weitere wichtige Einflussfaktoren, die IT-Hersteller auch künftig unter Zugzwang setzen werden. Mike Herr, Europachef der Lean-Management-Unternehmensberatung TBM Consulting, erklärt, wie IT-Unternehmen bereits während der Produktion Ressourcen schonender arbeiten können.

Wissensaustausch
Web 2.0 – eine Herausforderung für das Militär
von Sebastian Schäfer
Raum, Zeit, Kräfte und Informationen sind seit jeher die Faktoren militärischen Handelns. Im Zuge der Veränderung des Aufgabenspektrums und dem Fortschritt in der Waffen- und Informationstechnologie hat sich eine deutliche Neugewichtung dieser Einflussgrößen ergeben. Distanzen können heute viel schneller überwunden und Kräfte gezielter eingesetzt werden. Zu-gleich hat das moderne Einsatzumfeld deutlich an Komplexität zugenommen. Die physische Präsenz von Soldat und Gerät ist nach wie vor bedeutend, doch an die Stelle geballter Feuerkraft ist die Notwendigkeit eines präzisen, effektorientierten Wirkens getreten. Damit werden Zeit und Information mehr denn je zum kritischen Faktor. Die daraus resultierenden Anforderungen machen ein Überdenken bestehender Strukturen und Verfahren notwendig. Ein zentraler Aspekt ist dabei das Sammeln, Verarbeiten und Verteilen von Informationen. Moderne Informationstechnologie ermöglicht hier auch für das Militär grundlegend neue Ansätze.

Recherche
Informationssuche – das Schürfen nach immateriellem Gold
von Henk Nobbe
Eine vom Marktforschungsinstitut Vanson Bourne durchgeführte Umfrage unter 610 Managern europäischer Unternehmen ergab, dass Mitarbeiter bei der Suche nach Informationen pro Tag durchschnittlich 67 Minuten verschwenden. Hinzu kommt, dass der teilweise oder vollständige Verlust von Informationen ernsthafte strategische, rechtliche und ertragsmäßige Probleme mit sich bringt. Das gilt auch im pharmazeutischen Bereich. Hier muss das Unternehmenswissen ständig auf dem aktuellen Stand sein. Als global aufgestelltes Pharmaunternehmen hat Organon dies bereits vor einigen Jahren erkannt und stellt seinen Mitarbeitern aktuelle wissenschaftliche und Marketing-relevante Informationen mit einem Dokumenten-Management-System via Intra- und Extranet weltweit permanent zur Verfügung. Medical Advisors, Produktmanager und Pharmareferenten nutzen die Software, um fachlich up-to-date zu bleiben.

WISSENSWERTES

Termine
Fachveranstaltungen für Wissensmanager

Rezension
Wissenswege

Kolumne
Ist Wissensmanagement innovationsfreundlich?
von Ulrich Koch

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