wissensmanagement, 3/2008

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wissensmanagement – das Magazin für Führungskräfte
Heft 3 April/Mai 2008

Titelthema
Unternehmenswissen sichern: Erfolgreiche Wege aus der Demografiefalle
Eine Rentenwelle rollt auf uns zu. Millionen Unternehmen steht damit in den nächsten Jahren die größte Herausforderung ihrer Firmengeschichte bevor: Sie müssen das implizite Erfahrungswissen der künftigen Pensionäre an die nächste Generation weitergeben. Andernfalls droht ihnen ein Wissensverlust mit gravierenden Auswirkungen auf ihre Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit. An dieser Stelle gilt es zunächst, die Verantwortlichen für dieses Problem zu sensibilisieren, um anschließend geeignete Werkzeuge zu identifizieren, die einen erfolgreichen Wissenstransfer ermöglichen. Generationenübergreifende Mentoringprogramme, Communities of Practice und andere Wissensmanagement-Tools gehören dabei zu den wichtigsten Bausteinen.

Editorial
Miteinander statt gegeneinander

PRAXIS WISSENSMANAGEMENT

Kommunikation
Wissen – visualisieren oder verbalisieren?
von Matthias Ballod
Drehen wir doch einmal die Perspektive: Ist es möglich, den Sinnspruch „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ mit nur einem Bild darstellen? Wohl kaum, denn diese Überlegung zeigt die Grenzen bildlicher Darstellung. Sicher, Visualisierungen helfen beim Strukturieren, beim Erfassen und beim Lernen, wenn Sie sinnvoll eingesetzt werden. Aber der Zugang zu Wissen, das Erfassen, die Weitergabe, ja alle Formen des Umgangs mit Information und Wissen, sind zunächst Sprachhandlungen.

Suchen & Finden
Elektronische Trüffelsuche in Unternehmen
von Marcel Fröhlich
Das Wissen des öffentlichen Internets steht allen Anwendern schnell zur Verfügung – die Daten des eigenen Unternehmens jedoch oft erst nach stundenlangem Suchen. Dies gilt vor allem in Konzernen mit weltweit verteilten Standorten. Die Frage: „Wie lassen sich aus einer Flut von Daten die für die eigene Arbeit relevanten Informationen herausfiltern?“, findet eine Antwort in speziellen Suchlösungen für Unternehmen.

Soziale Dienstleister
Easy Knowledge – einfach statt kompliziert
von Thomas Mühlbradt
Wissen als Ressource verfügbar zu machen und einzusetzen, ist kein Privileg von großen Wirtschaftsunternehmen. Auch soziale Dienstleister sind gefordert, neues Wissen aufzunehmen und zu verteilen, bestehendes Wissen zu erhalten und wertschöpfend zu nutzen. Der kompetente Einzelne bleibt wichtig, doch die Kooperation in Teams, die Bewahrung von Erfahrungen, die Integration neuer Mitarbeiter und die Bewältigung der täglichen Anforderungen, sind auf diesem Weg alleine nicht zu erreichen. Wissensmanagement kann helfen, Qualität und Effizienz sozialer Dienstleistungen zu steigern, aber die Konzepte müssen den Anforderungen gerecht werden. Zu wesentlichen Rahmenbedingungen gehören dabei die knappe Ausstattung mit technischen und finanziellen Ressourcen sowie fehlendes Vorwissen zum Thema Wissensmanagement. Mit Easy Knowledge [1] wurde ein Ansatz entwickelt, der gerade kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Einstieg in das betriebliche Wissensmanagement ermöglicht.

TITELTHEMA: UNTERNEHMENSWISSEN SICHERN

Das richtige Wissen bewahren
von Kai Mertins, Ina Finke
Unternehmen benötigen einfache Lösungen, um Wissen von Experten oder älteren Mitarbeitern im Unternehmen zu verteilen oder es für zukünftige Fragestellungen wieder verwenden zu können. Im Rahmen von Wissensmanagement ist es möglich, diesen Prozess systematisch zu unterstützen und passende Transfer- und Sicherungsmethoden auszuwählen.

Generationen, Lebensphasen und Leistungsfähigkeit
von Brigitte Spieß, Rainer Lohkamp
Der demografische Wandel wird in einem so gravierenden Maße in die Gesellschaften Mittel- und Westeuropas einwirken, wie es den meisten von uns noch gar nicht bewusst ist. Eine Arbeitswelt mit weniger Jugendlichen, dafür mit mehr älteren Menschen, die sich jung fühlen und arbeiten wollen, wird völlig anders aussehen als die Welt der jugendzentrierten Unternehmen. Mit der geplanten Verlängerung der Lebensarbeitszeit und der Erhöhung der Erwerbsbeteiligung in der Zielgruppe der 55- bis 65-Jährigen auf 50 Prozent [1] sind die Unternehmen zunehmend gefordert, auf die Arbeitsweisen und Erwartungen unerschiedlicher Generationen Rücksicht zu nehmen. Welche Strategien müssen Führungskräfte vor diesem Hintergrund einsetzen, um auch weiterhin die Produktivität des Unternehmens zu gewährleisten?

Mit systematischem Wissenstransfer Kontinuität sichern
von Harald Huber
In den Unternehmen ist Fluktuation etwas Natürliches. Mitarbeiter scheiden aus, weil sie eine neue Wirkungsstätte gefunden oder die Altersgrenze erreicht haben. Mit der Person als solcher gehen auch ihre Erfahrungen, Beziehungen und oft spezielles Fachwissen. Dieser Verlust kann zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Natürlich wird manches Wissen, das zum Werkstor hinaus geht, gar nicht mehr benötigt, da das Unternehmen sich weiterentwickelt hat. Andererseits kann individuelles Wissen substantiell für das Unternehmen sein. Dann birgt der Weggang eines Mitarbeiters konkrete Risiken, beispielsweise im Bereich der Service-Verpflichtung oder der Herstellerhaftung. Durch die Einstellungsstrategien mancher Unternehmen haben sich teilweise sehr ungleich verteilte Altersstrukturen entwickelt, sodass manchmal zur gleichen Zeit wesentliche Wissensträger ausscheiden. Es muss nun das Bestreben sein, das daraus resultierende Risiko einzuschätzen und eventuell entsprechend zu reduzieren.

Von wegen Generation Methusalem
von Leonhard Fromm
Das Ende des Jugendkults kommt langsam, aber gewaltig. Deutsche Firmen müssen sich auf Grund des demografischen Wandels darauf einstellen, ihre älteren Mitarbeiter nicht nur länger zu beschäftigen, sondern vor allem das über Jahrzehnte erworbene Wissen der über 55-Jährigen nicht in Rente zu schicken. Die Kunst liegt in der Sicherung dieses Know-hows und in der Weitergabe an die jungen Kollegen.

Die Generationenablöse
von Paul Kral
Wissensbewahrung und -sicherung aus demografischer Sicht reiht sich im Themenbereich Risikomanagement ein. Zum einen sind die Wissensträger bereits überdurchschnittlich alt. Damit wird der drohende Wissensverlust durch Ausscheiden von Experten zum brennenden Problem. Andererseits ist der Übertritt von Mitarbeitern in den Ruhestand plan- und kalkulierbar. Der Erfolg, die eigene Innovationskraft zu erhalten, hängt von allen Beteiligten ab. Die Bereitschaft zum Wissenteilen kann nicht erst am Ende einer Laufbahnkarriere stehen, sie muss integrativer Bestandteil jeder Unternehmenskultur sein.

Weiterbildung, Lernpartnerschaften & Co.
von Christine Tuchscherer, Frank W. Hilsberg
Wie können Unternehmen ihre High Performer langfristig binden – und damit sicherstellen, dass existentiell wichtiges Wissen in der Firma verbleibt und nicht zum Wettbewerb „auswandert“? Die Personalabteilungen sind aufgefordert, kreative Wege zu gehen, um Know-how zu sichern. Umsetzbare Möglichkeiten bieten unter anderem Weiterbildungen, Lernpatenschaften und verschiedene andere Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung.

DOKUMENTATION + KOMMUNIKATION

Wissen als immaterieller Unternehmenswert
von Frank Linde, Jens Brodersen
Wissen ist ein immaterieller Wert. Immaterielle Werte, oder auch Intangible Assets im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch, sind all jene Werte, die mittelbar oder unmittelbar auf den Unternehmenserfolg oder Unternehmenswert wirken, aber nicht fassbar und nicht direkt monetär messbar sind. Zu den immateriellen Werten zählen beispielsweise die Kundenzufriedenheit, der Markenwert, das Innovationspotenzial, die Mitarbeiterkompetenz, verschiedene Qualitätsstandards oder die Unternehmenskultur. Solche immateriellen Werte eines Unternehmens werden buchhalterisch nicht erfasst, auch in der Bilanz sucht man sie vergeblich. Ganz generell wohnt ihnen ein Dilemma inne: Zwar sind immaterielle Werte für Unternehmen von überragender Bedeutung [1], aber aufgrund ihrer nur indirekten monetären Bewertbarkeit werden sie häufig vom Management ignoriert, frei nach dem Motto: „You can’t manage what you can’t measure.“ Wo ließe sich also ansetzen, wenn man eine Verbindung zwischen den immateriellen Werten und dem Unternehmenserfolg herstellen will?

Humankapitalbewertung
Mit Durchblick Informationslücken schließen
von Gotthard Pietsch, Bastian Neysters
Methoden der Humankapitalbewertung sind mittlerweile zahlreich vorhanden. Als fast ebenso zahlreich erweisen sich ihre Einsatzmöglichkeiten zur Unterstützung personalwirtschaftlicher Entscheidungen. Jedoch werden stets Daten bereitgestellt, die eine erhebliche Interpretationsleistung von dem Anwender verlangen. Daher muss Expertenwissen nicht nur für die Wahl einer geeigneten Methode, sondern insbesondere auch für die Interpretation der erarbeiteten Daten genutzt werden. Eine Kooperation unterschiedlicher Beteiligter erweist sich dabei als unbedingt erforderlich.

Entwicklung
Wissensmanagement seit 2004 – der Weg zum Unternehmen 2.0
von Peter Schütt
Seit 2004 hat das Wissensmanagement einen Quantensprung gemacht: Neue Informationstechnologien ermöglichen neue Prozessformen, die teilweise sogar zu radikalen Änderungen von Geschäftsmodellen führen. Nach jahrelangem Verharren auf Kostenoptimierungen verspüren Unternehmen einen starken Bedarf an der Steigerung der eigenen Innovationsleistung und sind wieder bereit, in Wissensmanagement zu investieren. Was geschieht?

HUMAN RESOURCES

Unternehmenskultur
Vertrauen – ein erfolgsentscheidender Faktor
von Jörg Albrecht, Michael Gessler
Wenn über die Implementierung von Wissensmanagement-Systemen gesprochen wird, geht es oft und hauptsächlich um technische Aspekte, wie z.B. die Daten-Modellierung oder das Vernetzen unterschiedlicher Wissensgebiete und -datenbanken. Wenn Wissensmanagement-Projekte die Zielvorgaben verfehlen oder gänzlich scheitern, liegt dies jedoch häufig nicht an mangelhafter Technik, sondern an mangelnder Nutzung. Ein sozialer Faktor, der bisher wenig in diesem Zusammenhang betrachtet wurde und der deutlichen Einfluss auf das Verhalten der Beteiligten hat, ist Vertrauen.

Kompetenzentwicklung
Besser, schneller, billiger: Paradoxien der Weiterbildung
von Bernd-Wolfgang Lubbers
Umbruchzeiten mit umwälzenden Veränderungen führen stets Widersprüche im Gewande. Revolutionäre Ereignisse setzen Gegenbewegungen in Gang, erzeugen Gegenwehr – und oft pendelt sich die Problemlösung in der goldenen Mitte ein. Bei der Mitarbeiter- und Führungskräfteweiterbildung sind viele Unternehmen von dieser goldenen Mitte jedoch weit entfernt. Zahlreiche Organisationen befinden sich in punkto Kompetenzmanagement sogar auf einem Irrweg.

Zusammenarbeit
Wissensmanagement in Netzwerken: Kooperationen 2.0
von Thomas Klauß
In einer hochgradig spezialisierten und globalisierten Wirtschaft mit immer kürzeren Innovationszyklen und dem Bedarf an stetig komplexeren Lösungsangeboten sind kleine und mittelständische Unternehmen zunehmend gezwungen, sich mit Geschäfts- oder Kooperationspartnern zu vernetzen, um sich am Markt zu behaupten. Großunternehmen benötigen Kooperationen mit kleinen, flexiblen Firmen, um schneller auf veränderte Markttrends reagieren zu können. Forciert wird die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit externen Kompetenzträgern allgemein durch den Trend der Unternehmen zur Konzentration auf ihre Kernkompetenzen und die gestiegene Fluktuation der Mitarbeiter als Wissensträger im Unternehmen. Hierbei haben sich eine Reihe neuer interorganisationaler Kooperationsformen entwickelt. Ein Beispiel hierfür sind organisationsübergreifende Netzwerke, die einen effizienten Austausch von Ressourcen und Wissen organisieren, um schneller und effektiver auf neue Entwicklungen reagieren zu können.

TRENDS

Studie
Ungenutzte Potenziale im Wissensmanagement
von Julian Bahrs, Norbert Gronau
Wissensmanagement bietet vielfältige Methoden und Techniken zur Gestaltung der Entwicklung, Verteilung und Nutzung von Wissen. Wie erfolgreiches Wissensmanagement aussieht, ist jedoch nicht immer bekannt. Umso wichtiger ist es zu wissen, wie andere die Herausforderung angehen und welche Ansätze und Instrumente gut funktionieren. Die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zeigen, welche Instrumente des Wissensmanagements in den Unternehmen angekommen sind und wo noch Entwicklungsbedarf besteht. Darüber hinaus zeigen sie auch, ob klassische Vorurteile, wie eine einseitige Fokussierung auf explizites Wissen, nach wie vor Bestand haben und wie sich das Verhalten der Mitarbeiter sowie die Informations- und Wissenskultur entwickeln.

Zwischen Theorie und Praxis
Evidenzbasiertes Wissensmanagement
von Sonja Gust von Loh, Mechtild Stock, Wolfgang G. Stock
Der Begriff der Evidenzbasierung wurde ursprünglich in der Medizin geprägt und dient dazu, eine komplexe Theorie denjenigen verständlich zu vermitteln, die über keinen oder einen nicht ausreichenden theoretischen Hintergrund verfügen. Auch im Wissensmanagement existiert eine solche Lücke zwischen Theoretikern und Praktikern.

Recherche-Tools
Wissensvorsprung: Neue Wege der Wettbewerbsanalyse
von Silke Bettray
Technologieunternehmen nutzen zum Zwecke der Wettbewerbsanalyse nicht nur klassische Wirtschafts-, sondern zunehmend auch Patentinformationen. Dieser Wissensvorsprung verschafft ihnen nicht nur einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, sondern schützt sie gleichzeitig davor, Patente anderer Firmen zu verletzen, und hilft ihnen bei der Suche nach Kooperationspartnern und Lizenzierungsmöglichkeiten.

WISSENSWERTES

Termine
Fachveranstaltungen für Wissensmanager

Rezension
Hands-On Knowledge Co-Creation and Sharing

Kolumne
Nicht-Wissen macht frei!
von Gabriele Vollmar

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© Büro für Medien, Oliver Lehnert